09.07.2018 Heimfahrt

Nach dem Besuch des Petersdomes aß ich in einer Bar eine leckere Lasagne. Dann konnte ich in der Casa Bonus Pastor noch einmal duschen.

Nach einer kleinen Irrfahrt – ich war in den falschen Bus eingestiegen – kam ich zum Bahnhof Termini. Da ich noch Zeit hatte, besuchte ich nochmals eine Bar und trank ein letztes Bier in Rom.

Im Zug war es dann sehr heiß, da die Klimaanlage nicht funktionierte. Der Schaffner schätzte 45 bis 50 Grad. Das Problem konnte jedoch behoben werden, und es wurde angenehm kühl. Bis Florenz war ich alleine im Liegewagenabteil. Dann kam ein junges Pärchen aus Schweden ins Abteil. Linnea, eine Lehramtsstudentin, und Jesper, ein Architekt. Sie erzählten von ihrer Reise nach Florenz und in die Toskana. Wir führten Gespräche über die verschiedensten Themen und verbrachten eine ruhige Nacht. Heute Morgen lud ich sie ein, doch einmal Erlangen und Bamberg zu besuchen.

Es stellte sich heraus, dass Lineas Eltern in unserer Partnerstadt Eskilstuna wohnen. Ich habe mich gefreut, sie kennenzulernen.

In München, wo wir fast eine halbe Stunde früher als geplant ankamen, mussten wir uns verabschieden.

Pünktlich erreichte ich meinen Flixbus, so dass ich um 12.30 Uhr – Paula hatte mich abgeholt – wieder glücklich zu Hause war.

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08.07.2018 Rom

In der „Casa Bonus Pastor“ habe ich heute ausführlich gefrühstückt. Ich bin auch erst um 7.30 Uhr aufgestanden.

Dann habe ich mich auf den Weg zum Petersdom gemacht. Dort habe ich eine feierliche Hl. Messe (lateinisch) besucht, die von einem sehr guten Choralchor begleitet wurde, und von einem echten Kardinal die Kommunion empfangen.

Anschließend sprach Papst Franziskus noch den Mittagssegen.

So kann ich auch noch den Segen des Papstes mit nach Hause nehmen! Jetzt ist die Pilgerreise wirklich beendet!

Heute Abend geht’s nach Hause.

Ich habe jetzt 40 anstrengende, aber auch sehr schöne Tage mit vielen – zum allergrößten Teil – positiven Erlebnissen auf der Pilgerreise verbracht. Alles ist gut gegangen:

  • die Füße haben – bis auf ein paar Blasen – durchgehalten
  • die Schuhe kann ich zwar entsorgen, aber sie haben auch durchgehalten
  • ich habe viele nette Leute aus aller Herren Länder kennengelernt
  • ich habe viel Gastfreundschaft erlebt
  • ich habe – wie beim letzten Mal – braune Beine und weiße Füße
  • ich habe ein paar Kilogramm abgenommen

Ich danke

  • Margot Collins in der Schweiz
  • Adelaide Trezzini in Italien

von der Association Internationale Via Francigena AIVF, die mir Tipps und Hilfe bei der Auswahl der Routen und Quartiere gegeben haben

  • allen Gastgebern
  • allen, die mich über meinen Blog und per E-Mail unterstützt und gestärkt haben und
  • natürlich Paula, die mich zwar nicht gerne, dann aber doch hat gehen lassen

07.07.2018 La Storta – Rom

Heute Morgen bin ich um kurz vor 6 Uhr von den „Suore delle Poverelle“ (=Schwestern der Armen) zur letzten Etappe aufgebrochen. Gestern Abend hatte ich mich noch längere Zeit mit einer der Schwestern unterhalten.

Sie erklärte mir, dass ihr Orden aus Bergamo komme. Als ich daraufhin sagte, dass doch auch Johannes XXIII aus Bergamo gewesen sei, erzählte sie ganz stolz, dass die „Suore delle Poverelle“ ihm den Haushalt geführt haben.

Der erste Teil des Weges ging noch entlang der altbekannten „Cassia“, die dann in die Via Trionfale überging. Diese ist so lang, dass die höheren Hausnummern bei fast 12.000 anfangen. Auf diesen Straßen war auch schon sehr früh viel Verkehr.

Schön wurde diese Etappe erst auf dem Monte Mario, wo der Weg in einen Park abzweigte, der sich mit herrlichen Ausblicken auf die Ewige Stadt den Berg hinabzog. Unten in der Stadt machte ich erst einmal Frühstückspause. Dann ging es kerzengerade auf die Arkaden des Petersdomes zu.

Als ich vor dem Petersdom stand, hatte ich endlich mein Ziel erreicht! Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, aber bestimmt werden es viele nachempfinden können.

Ich hatte vorher schon überlegt, wem ich denn mein Handy, auf dem ja alle meine Bilder gespeichert sind, anvertrauen könnte (es wird überall vor Dieben gewarnt), als ich zwei junge Priester sah, die sich gegenseitig fotografierten. Ich bot Ihnen an, ein gemeinsames Foto von ihnen zu machen, was sie freudig annahmen. Natürlich haben sie auch Bilder von mir gemacht. Der eine der beiden ist Spanier, der andere Brasilianer. Beide sind auf einem Sprachkurs hier.

Danach holte ich im vatikanischen Pilgerbüro mein „Credenziale“ (die Bestätigung, dass ich mehr als 100 km zu Fuß nach Rom gepilgert bin). Dann suchte ich mein Quartier an der Via Aurelia (1,2 km vom Vatikan entfernt) auf.

Da es noch früh am Tag war, machte ich mich auf, sechs von den sieben Pilgerkirchen zu besuchen:

  • Santa Maria Maggiore
  • San Lorenzo fuori le Mure
  • Santa Croce in Gerusalemme
  • San Giovanni in Laterano
  • San Sebastiano
  • San Paolo fuori le Mure

Die wichtigste, San Pietro, habe ich mir für morgen aufgehoben.

Dann ließ ich mich zu ersten Mal wieder fahren: von der römischen U-Bahn zum Bahnhof Termini. Dort musste ich über eine Stunde warten, bis ich an der Reihe war, um mir eine Rückfahrkarte zu kaufen! Deshalb kam ich auch erst sehr spät in meinem Quartier „Bonus Pastor“ („Der gute Hirte“) zum Abendessen an.

18 km, 152 m Auf-, 274 m Abstieg

Zu den Pilgerkirchen in Rom mit gelöster Handbremse (=ohne Rucksack):

22 km, 286 m Auf-, 286 m Abstieg

06.07.2018 Sutri – Monterosi – La Storta

Zuerst lief ich heute Morgen durch riesige Haselnussplantagen, dann durch fast genauso große Olivenhaine.

Der Weg war staubig und sandig, aber für meine kaputten Schuhe gerade richtig.

Um 7 Uhr war ich dann schon in Monterosi, wo Kaiser Barbarossa 1155 von Papst Adrian zum Kaiser gekrönt wurde.

Beim Weiterlaufen musste ich dann eine Entscheidung treffen: Ich war so früh unterwegs, dass ich in Formello, wo ich übernachten wollte, viel zu früh ankommen würde und fast fünf Stunden auf die Öffnung des Hostels warten müsste. Deshalb entschied ich mich, zum nächsten Quartier weiter zu wandern. Um das zu erreichen musste ich allerdings wieder an der „Cassia“ entlanglaufen. Die „Cassia“ ist hier eine vierspurige Regionalstraße (SR 2) und es war so wenig Verkehr, dass das kein Problem war. Schlimm wurde es erst dann, als die „Cassia“ sich teilte, der vierspurige Teil abzweigte, und ich dem zweispurigen folgen musste. Da rauschte ein Auto mach dem anderem vorbei. Aber ich kam gut in La Storta an und hatte vor allem meine Stiefel geschont, die mir jetzt wirklich langsam Sorgen machen: die Sohlen sind ziemlich durchgelaufen, der rechte Absatz gibt langsam seinen Geist auf, und einige Schlaufen, die die Schuhbändel halten, sind schon gerissen. Trotzdem hoffe ich, dass sie das kurze Stück, das noch übrig ist, gar durchhalten.

Am Nachmittag kam ich dann in La Storta an und fand ein sehr schönes Quartier bei den Schwestern „Le Poverelle“. Jetzt bin ich froh, dass ich Greg gestern nur unter Vorbehalt zugestimmt habe: Hier bin ich von der zuständigen Schwester sehr herzlich und freundlich willkommen geheißen worden.

34 km, 296 m Auf-, 411 m Abstieg

05.07.2018 Viterbo – Ronciglione – Sutri

Um 5 Uhr habe ich mich von Pietro verabschiedet. Wir werden in Kontakt bleiben.

Als Route habe ich mir heute die Variante Cimina de la Francigena ausgesucht. Sie führt nicht wie die normale Route am 1. Tag nach Vetrella und am 2. Tag nach Sutri, sondern an einem Tag von Viterbo nach Sutri. Allerdings war damit ein ziemlicher Aufstieg verbunden. Dafür wurde ich mit einem wunderbar wilden Naturschutzgebiet, herrlichen Buchenwäldern und wunderbaren, federnden Waldwegen belohnt. Allerdings nicht überall!

Für ungefähr einen Kilometer hätte ich gerne eine Machete gehabt. Der Weg war total zugewuchert von Brombeerranken, Brennnesseln und anderen Gewächsen. Hier ging es nur im Zeitlupentempo voran. Zu allem Übel war ich gar nicht sicher, ob ich mir den richtigen Weg freischlug! Erst nach etwa 300 Metern fand ich das erste Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg war.

In Ronciglione machte ich nach fast 20 Kilometern (vorher war nur Natur) meine Frühstückspause.

Dann besichtigte ich die mittelalterliche Altstadt. Anschließend machte ich mich – jetzt schon in der Mittagshitze – auf nach Sutri. Dort wollte ich mich bei den Carmelitinnen einquartieren, aber Pilger durften sich erst um 15.30 melden.

Also trank ich noch ein Bier und war dann Punkt 15.30 Uhr wieder bei den Carmelitinnen. Als ich klingelte hieß es: 16.30 Uhr! Mein Hinweis, dass doch an der Türe stand: Pilger können um 15.30 Uhr klingeln, wurde mit dem Wort: „Error“ beantwortet. Soviel zum Bibelwort: „Ich habe geklopft, und ihr habt mir aufgetan“. Nach noch einer Stunde wagte ich es wieder zu klingeln. Diesmal ging tatsächlich die Türe auf. Zufällig kam Greg, ein Amerikaner kurz hinter mir, sodass wir zu zweit ein Zimmer bekommen konnten. Der Geruch im Treppenhaus war unerträglich, aber das Zimmer war dann doch ganz ok. Greg erzähle mir von seinen Erfahrungen mit Hostels. Er sagte: bei den kirchlich geführten sei das Personal, wenn es sich nicht um Freiwillige handelte, am unfreundlichsten. Dem konnte ich – allerdings nicht ganz uneingeschränkt – zustimmen.

Abends saß ich mit Greg auf der Terrasse eines Restaurant mit wunderschöner Aussicht.

Wir unterhielten uns über alles mögliche und natürlich auch über Politik. Greg meinte, dass die Sperenzchen von Donald Trump in Europa viel zu ernst genommen würden. Trump sei von Beruf einfach ein Entertainer. Na ja.

Nach Sutri möchte ich auf jeden Fall noch einmal zurückkommen!

30 km, 685 m Auf-, 762 m Abstieg

04.07.2018 Bolsena – Montefiascone – Viterbo

Zuviert sind wir – Barbara aus Trient, Lucinda aus der Schweiz, Ricardo aus Agrigent und ich – heute Morgen um 5 Uhr aufgebrochen. Bald merkte ich, dass ich hier mit angezogener Handbremse fahre und habe mich von den anderen verabschiedet. Sie wollten nur nach Montefiascone, während ich versuchen wollte, Viterbo zu erreichen.

Über dem Torbogen steht: 100 km bis zum Grab des Hl. Petrus. Über die Via Francigena wird es etwas weiter sein, aber Rom rückt näher!

Dieser Torbogen steht in Montefiascone. Auch diese Stadt – vor allem die Altstadt – ist wie an den steilen Berg geklebt. Ich lief die steile historische Hauptgasse hoch und besichtigte den Dom Santa Margherita mit seiner riesigen achteckigen, mit Fresken ausgeschmückten Kuppel. Danach gönnte ich mir meine Frühstückspause. Dann bestieg ich den Burgberg „Rocca dei Papi“, den Zufluchtsort der Päpste, von dessen herrlichem Park man eine wunderschöne Aussicht hat.

Beim Hinabsteigen ins Tal traf ich einen jungen Deutschen, der ein Jahr in Rom verbracht hatte und sich jetzt auf der Via Francigena langsam und Schritt für Schritt von Rom zurückziehen und verabschieden wollte. Dann stieg ich ins Tal hinab und verpasste leider im Dahintrotten einen Abzweig. Plötzlich befand ich mich wieder auf der SR 2, der „Cassia“, der Straße nach Rom. Da mir für eine Umkehr der Umweg zu groß war, blieb ich auf der „Cassia“. Leider wurde der Verkehr, je näher ich Viterbo kam, immer dichter. Aber jetzt musste ich durch! Es gab keine Möglichkeit abzubiegen. Der viele Verkehr war nervig, aber der Weg auf der „Cassia“ hatte doch drei Vorteile: 1. ich war sehr schnell in Viterbo, 2. ich traf dort Pietro, einen seit einer Woche pensionierten Softwareanalysten aus Mailand, und 3. meine Schuhe, die inzwischen ziemlich durchgelaufen sind, dankten mir den Verzicht auf das Laufen über Schotterwege.

Pietro war, als wir uns trafen, gerade dabei, beim Convento dei Capuccini ein Quartier zu bestellen. Er bestellte für mich mit, und so hatte ich ein sehr schönes Zimmer in einer wunderschönen Gartenanlage etwa einen Kilometer außerhalb des Zentrums von Viterbo.

Am Nachmittag erkundete ich gemeinsam mit Pietro die Altstadt von Viterbo. Hier fanden lange Zeit die Päpste Zuflucht. Auch Viterbo, gleichzeitig die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hat eine sehr sehenswerte Altstadt.

Auf die Frage, warum er pilgere, antwortete Pietro, dass er gerade in einer Umbruchphase sei. Er sei seit einer Woche in Pension, und sein bester Freund Michele sei im Juni gestorben, was ihm sehr nahe gehe. Ich erzählte ihm, dass ich eine ähnliche Erfahrung gemacht hatte, als mein Freund, der wie er Peter geheißen hat, gestorben ist. Dann fiel mir ein Bild aus der Kirche Sacra San Michele, auf das mich Eckhard aufmerksam gemacht hatte, ein. Darauf ist zu sehen, dass eine Reihe von Michaelsklöstern von Irland über England, Frankreich (Mont St Michel), Italien (Sacra San Michele), Süditalien, Griechenland und Jerusalem, alle auf einem Berg, auf einer Linie liegen. Ich schickte ihm das Bild.

Darüber war er ganz begeistert, vor allem, als ich ihm noch vorschlug, jetzt, da er in Pension sei und Zeit habe, diese Klöster – im Gedenken an seinen Freund Michele – doch einmal aufzusuchen. Er meinte, dass er mich getroffen habe, sei für ihn wie ein Zeichen seines Freundes.

Nach einem sehr leckeren Pilgerabendessen zogen wir uns in unseren Convento zurück.

33 km, 409 m Auf-, 376 m Abstieg

03.07.2018 Cassia km 140 – Acquapendente – Bolsena

Der Bauer war gestern um 21.30 Uhr noch fleißig!

Um 5 Uhr habe ich die schöne kleine Wohnung mit der schönen Terrasse an der „Cassia“ bei km 140 verlassen. Der Himmel war bewölkt und es war trotz der frühen Stunde so schwül, dass ich mit beschlagenen Brillengläsern unterwegs war!

Als ich in Acquapendente ankam, das auf einem Vulkanhügel erbaut ist, wurde es etwas kühler. Acquapendente ist durch seinen Wasserreichtum bekannt und ein alter Durchzugsort für Pilger und andere Reisende.

Viele Häuser sind hier aus dem schwarzen Basaltgestein der Umgebung gebaut und auch das Straßenpflaster ist aus Basalt.

Nach einer Frühstückspause lief ich weiter nach San Lorenzo Nuovo. Dort traf ich Michele, einen italienischstämmigen Australier, der in Florenz gestartet ist. Er hat verschiedene Jobs hinter sich, mit denen er gut Geld verdient hatte (z.B. Gamedesigner), und er hat immer wieder Pause von der Arbeit gemacht, bis sein Geld aufgebraucht war. Jetzt macht er gerade wieder Pause.

Von San Lorenzo Nuovo ging ich über die Via Cassia Vecchia Richtung Lago di Bolsena. Das war eine sehr ruhige, gut ausgebaute Straße mit wenig Verkehr. Leider war die Aussicht über den See wegen der Wolkendecke und des Dunstes nicht so spektakulär wie beschrieben.

Die Stadt Bolsena erreichte ich dann über die Cassia (Staatsstraße). Dort fand ich mitten in der Altstadt ein übervolles Hostel. Nach einer kurzen Ruhepause erkundete ich die Stadt.

Sehr sehenswert ist die Basilica San Giorgio e Santa Cristina. Bolsena liegt auf einem Vulkan, der im Jahr 2000 zum letzten Mal aktiv war!

Blick auf den Bolsenasee

Beim Abendessen ging es wieder international zu: 1 Italienerin, 1 Italiener, ein französisches Ehepaar, 1 Australier, 1 Schweizerin, 1 Liechtensteiner und ich. Das Hostel hatte uns eine gute Osteria empfohlen, wo wir zu einem guten Preis sehr lecker essen und trinken konnten. Auch hier ging der Gesprächsstoff nicht aus!

26 km, 262 m Auf-, 203 m Abstieg